25. März 2020

Yoga in Kapstadt

Cape Town, mein Matten-Mekka: Ich feiere deine Vielfalt! Eine yogische Reise durch die Mother City

Meine Matte war von Anfang an dabei: Seit ich 2003 zum ersten Mal einen Fuß auf südafrikanischen Boden setzte, habe ich hier auch geübt. Zuerst in Hotels, B&Bs und Short-Term-Appartments, später in meinem südafrikanischen Zuhause, in kleineren und größeren Yogastudios, Fitness-Centern, privaten Shalas und Bikram-Schwitzstuben.

Es wurden immer mehr Orte, mit jedem Besuch, den ich meiner Wahlheimat abstattete. Daher möchte ich mich verneigen vor der Vielfalt, den vielen tollen Yogalehrern und wunderschönen, teils sehr liebevoll ausgestatteten Studios. Alle haben mir dabei geholfen, meine Mitte zu finden, Ruhe zu bewahren, Emotionen zu kanalisieren und die Verrücktheit und Wildheit des Landes mit meinem deutschen Kopf zu begreifen. Anzunehmen und zu staunen, positiv zu denken und leichter zu werden, im Herzen.

Hier findest du meine Auswahl an Plätzen, die mir besonders im Kopf geblieben sind. Eine Anmerkung zum Timing: Kapstadt lebt nach dem Motto „Der frühe Vogel fängt den Wurm“. Langschläfer und Spät-Yogis haben da schlechte Karten; die Sonne geht im Sommer gegen 5 auf und um 5:30/6:00 morgens sind die Kapstadter sportlich auf den Beinen. Yogastunden am Nachmittag/frühen Abend gibt es auch, aber die meisten Studios klappen um allerspätestens 20 Uhr die Bordsteine hoch. Um 18:00/18:30 werden daher in den allermeisten Studios die letzten Yogaklassen des Tages angeboten.

Nicht nur zum Üben, auch zum Arbeiten toll: Hier bei den Aufnahmen von Stretching-Fotos, produziert von Justin Healy/Capestar GmbH für das Magazin SHAPE

Im Gegensatz zu anderen Kontinenten und anderen Großstädten ist Yoga in Kapstadt vor allem eines: Viel, viel vielfältiger. Regeln und grundsätzliche Muster gibt es nur ansatzweise und man kann nicht nur in jedem Yogastudio, sondern auch von jedem Lehrer immer wieder überrascht werden. Keine starren Muster, keine strikten Vorgaben.

… und nach dem Yoga zurück zur Fitness:
Vorbereitungen für die Fotoproduktionen 2019/Magazin FIT FOR FUN

Das Meer auf der Matte

Wenn ich an Yoga und Kapstadt denke, ist Jim Harrington in meinem Kopf. Dieser großartige Lehrer bringt das Meer auf die Matte, das kann man glaube ich so sagen: Mit viel Wucht, aber auch Sanftheit unterrichtet er fordernd, aber auch einfühlsam und man kann zusammenfassend sagen, dass er eine echte Koryphäe ist. Auch in puncto Lehrerausbildung. Außerdem lebt er wie meine eigene Familie vor zehn Jahren in Hout Bay, ist ein richtiger Familienmensch und ein begnadeter Surfer noch dazu. Unbedingt ausprobieren!

Die wunderschöne Bucht von Hout Bay: Rechts der Sentinel, links der Chapman’s Peak

Oase in der Mall

Schreiben, shoppen, schwitzen: Für mich die perfekte Reihenfolge an einem perfekten Arbeitstag in Cape Town! Wenn ich von Hout Bay oder direkt aus Kapstadt ins Constantia Village fahre, um meine Einkäufe zu erledigen, habe ich immer Yogasachen dabei und den Zeitplan von Yoga Spirit im Kopf: In zwei wunderschönen, Räumen kann man hier Hot Yoga, Yin Yoga und Vinyasa üben. Alle Lehrer, bei denen ich hier war, fand ich ziemlich gut. Und ich liebe ihr Logo! Für Traveller gibt es 1- und 2-Wochen-Pakete „unlimited“, die sich wirklich lohnen.

Yoga für meine Buchprojekte im Delius Klasing Verlag, Hamburg.
Fotografiert von Justin Healy/Capestar Productions GmbH

Klein und sehr, sehr fein

Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Studio preisgeben soll – aber ich will ja nicht selbstsüchtig sein. Zur Not würde ich mir aber meinen Platz mit der zusammengerollten Matte freikloppen: Henry war einer meiner allerallerersten Yogalehrer und ist unglaublich passend für meinen Yogageschmack. Haltung schreibt er riesengroß und alle Haltungen dauern sehr, sehr lange. Das mag ich auch nicht immer, aber wenn ich zu ihm gehe, bin ich hinterher garantiert mindestens einen halben Tag lang yoga-high, streite mich mit nichts und niemandem und bin sehr, sehr friedlich. Und fühle mich super. Die Stunden bei Claudia sind auch unglaublich schön: Nehmt mir aber bloß nciht meinen Spot weg, siehe oben… Iyengar liegt hier zugrunde und das Yoga Centre Oranjezicht in der Cairnmount Avenue ist mini-klein, maximal acht Leute üben hier zusammen. Im Flatlet eines Privathauses, ich finde es bezaubernd!

Video- und Fotoproduktionen, mal wieder by Justin Healy/Capestar Productions GmbH

Yoga als Fitnessprogramm

Fitness ist nunmal mein Ursprung: Da ist es naheliegend, das komplette Angebot mal durchzuprobieren. Alles, was hier an Kursen läuft, habe ich in mehreren Virgin-Active-Studios jahrelang durchgekaspert und deswegen kann ich mir glaube ich (gerade weil ich ja selber seit Jahrzehnten, oh je, mittlerweile unterrichte) einen Kommentar erlauben. Das Niveau (nicht nur im Kursbereich) ist definitv NICHT europäischer Standard und man muss teilweise alle Augen zudrücken und sich auf die Zunge beißen, um niemandem auf die Füße zu treten. Beim Yoga sah es leider ähnlich wie im restlichen Kursbereich aus: Während bei uns in Deutschland in den Studios die Instruktoren auch für Yoga mal mindestens eine Pseudo-Zusatzausbildung bzw. oft sogar eine vernünftige Zertifizierung haben, findet man das im Fitness-Center in Südafrika offenbar überbewertet oder die Zertifizierungslevel haben sich dem generellen Trend „nach unten hin“ angepasst. Richtig gute Lehrer findet man hier selten: Könnte auch an der Bezahlung liegen; Kurse im Yogastudio werden deutlich besser vergütet (habe hier selber schon viel unterrichtet, das ist also first hand information). Ich würde persönlich keine Mitgliedschaft mehr machen, wenn ich nicht im Winter hier wäre. Sauna ist bei nasskaltem Klima aber ein echtes Argument… Und: Die meisten Virgin-Studios haben Pools und gute Geräte.

Hab ich’s schon erwähnt: Mein Fleisch ist aus Gemüüüüüse! Hier bedeckt von Grünkohl, für mein Veganbuch-Cover fotografiert von Justin Healy/Capestar Productions GmbH

Sweat, baby, sweat!

Wer Birkam mag, wird Yoga Zone lieben: Perfekt im Lifestyle Center in der Kloof Street gelegen, kann man davor oder danach im Wellness Warehouse nebenan shoppen gehen oder einen Kaffee, Smoothie, Coconut Water oder anderes trendiges Gesöff in einem der zahlreichen Cafés oder Restaurants in der Kloof Street trinken. Yoga hier ist solide und im Bikramstil zuverlässig: Nur die kurzen Stunden (60 Minuten SIND zu kurz!!) stören mich immer mal wieder. Aber meistens nur vor der Stunde; danach ist man ja Klima sei Dank so oder so fix und alle.

Achtung, Geheimtipp!! Parken in der Tiefgarage: Gold wert, wenn man knapp dran ist! Und obendrauf der Special Tipp, falls du im Urlaub dort bist: Die Laundry im UG bei der Tiefgarage. Du willst „cold wash and fold“, nur bitte nicht Heißwäsche verlangen, das kommt sonst verfärbt zurück (egal wo)! Wäsche abgeben – Yoga, shoppen etc. – Wäsche abholen, fertig! Top!!

Hot Yoga, hot sundowner: Der Himmel über Kapstadt brennt im Abendlicht

Hot Yoga ABC

Was brauchst du für eine Bikram- oder Hot Yoga Klasse? Das hier:

  • Knappes Outfit. Lange Hosen und Tops stören arg, wenn man stark schwitzt – und bei 40 Grad Celsius WIRST du schwitzen.
  • Wasser. Mindestens 1 Liter. Wichtig: Nicht trinken wie ein Kamel, sondern lieber öfter und kleine Schlucke nehmen. Davor und danach trinken ist sowieso empfehlenswert, schließlich ist es hier heiß 😉
  • Matte mitbringen oder ausleihen: Lass deine Matte nur tagsüber nicht im heißen Auto, ich habe mir so schon ein paar Matten ruiniert! Wenn die richtig heiß werden, verformen sie sich und das ist nicht mehr glattzuziehen.
  • Handtücher. Ein Mattentuch auf die Matte drauf, eins zum Duschen danach. Ein kleines Handtuch zum Abtupfen zwischendurch neben die Matte legen, evtl. schon angefeuchtet, ich liebe ein paar Tropfen Minzöl darauf!
  • Duschzeug, Wechselkleidung: Nix Enges, das kriegt man auf der nachschwitzigen Haut selbst nach der Dusche kaum angezogen. Weite Kleidchen sind super.
  • After Bikram ist Cocoswasser sooooo toll… Beim SPAR bspw. gibt’s einen Liter im Tetrapak für kleines Geld.
  • Alkohol: Nach Hot Yoga lieber nicht, sonst ist ein unangenehm schneller, intensiver Rausch mit starken Kopfschmerzen am nächsten Tag vorprogrammiert.

Crazy ja, aber cool?

Das Low-Light muss ich leider auch noch beschreiben. Mal im Ernst: Was zum Kuckuck haben Hanteln im Yogaraum zu suchen? Ganz genau: Nix. Aber die dann auch noch ins Yoga einzubauen, abgedroschene und wirklich unpassende Popmusik dazu zu spielen (Britney: seriously??), weder von Fitness noch von Yoga wirklich fundiert Ahnung zu haben und das hemmungslos als Kurs zu verkaufen: Sorry, da bin ich raus! Ich war ziemlich schockiert nach dieser Klasse und würde garantiert auch nicht wieder in genau diesen Kurs gehen (Sculpt heißt der), aber da ich so viel Gutes von Bekannten gehört habe, gebe ich dem Studio nochmal eine Chance, wenn ich das nächste Mal in Kapstadt bin. Vielleicht ist es ja nur diese eine, spezielle Klasse, die einfach nix war… Ein wenig skeptisch bleibe ich vorerst; sollte mein nächster Besuch im Yoga Life einen anderen Eindruck hinterlassen, schreibe ich euch das natürlich hier auf. Jedenfalls ist die Lage super und das Studio eigentlich auch schön.

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