17. Februar 2016

Glücksgefühle im Cockpit: Fliegen lernen, Part 1

 

Wo ist der verdammte Blinker? Es gibt offenbar keinen. Und wenn ich an der Steuerung kippe, die wie ein Schaltknauf zwischen den Beinen montiert ist, passiert auch nicht viel. „Rudder!“, kommandiert mein Fluglehrer Theo und ich brauche zwei Sekunden, bis ich kapiere: Ich muss mit den Füßen lenken! Gas und Bremse wie beim Auto kann man gleich zu Beginn komplett vergessen, hier gelten andere Regeln. Insgeheim bereue ich es ein wenig, dass ich Computerspiele bereits als Kind doof fand und mich nie mit Spielzeug auseinandergesetzt habe, das mir jetzt vielleicht hilfreich sein könnte. Egal, da muss ich durch.

 

Ich bin auf einem kleinen Flugplatz im sehr beschaulichen Ort Bethlehem in Südafrika, drei Stunden von jeglicher Zivilisation und Johannesburg entfernt. Krippe, Jesuskind, Maria und Josef fehlen auch komplett: Nachdem ich mich ausgiebig über den Namen der Ortschaft gewundert habe, bekomme ich meine erste wichtige Afrika-Lektion: TIA. This Is Africa. In Afrika klaut man nicht nur Namen von bekannten, übrigens gerne auch deutschstämmigen Orten (bspw. Heidelberg und Frankfurt sind nicht weit weg von Bethlehem). Hier ist einfach alles ein wenig anders: Car Wash bedeutet einen Bretterverschlag mit Person, Lappen und Wassereimer, Spülmittel kostet extra. Ein „Nachbar“ kann kann auch schon mal zehn Kilometer weit weg sein, hier ist viel Platz. Schusswaffen gehören in jeden guten Haushalt und sind nicht nur zur Großwildjagd, sondern in erster Linie zur Selbstverteidigung gedacht. „Wichtig: Zuerst auf den Einbrecher, dann ins Dach schießen. Man muss ja einen Warnschuss abgeben“, erklärt mir mein Vermieter. Alles klar.

Und man kann nichts, absolut nichts ohne Auto unternehmen, noch nichtmal einkaufen gehen. Außer zum Flugplatz marschieren, das ist so eingerichtet: Es gibt ein paar Hütten mit Reetdächern, Minibad und Küche, die nur 800 Meter vom Flugplatz weg sind. Hier werde ich also meine PPL, eine Privatpilotenlizenz machen. Jedenfalls habe ich mir das mal so vorgenommen und ohne groß zu überlegen den Kurs im Internet gebucht. In sechs Wochen – was ein sehr knapp gestecktes Ziel ist, wie ich schon bald feststelle. Sieben theoretische Prüfungen, mindestens 45 Flugstunden und etliche Spezialflüge sind für die Lizenz nötig.

Und jetzt sitze ich hier zum ersten Mal in einem kleinem Sportflugzeug vom Typ Samba und schon die Fahrt zur Startposition ist eine echte Herausforderung. Auf meinen Ohren thronen zwei sehr seltsam aussehende blaue Kopfhörer und vor meinem Mund schwebt ein Mikrofon, das ich per Knopfdruck am Stick zur Kommunikation mit dem Flugplatz nutzen kann. Sieht wichtig aus, aber ich habe nicht die geringste Ahnung, was ich damit machen muss. Das erzähle ich Theo auch vorsichtshalber, aber er grinst nur: „Keine Sorge, ich mach das schon!“ Wir fahren in Schlangenlinien die Landebahn rauf und drehen um, machen uns fertig für den Start.

Gefühlte hundert Checks später sind wir endlich bereit zum Abheben und ich weiß nicht, wie ich mich fühlen soll. Ein wenig seltsam ist es ja schon, sich auf einen so winzigen Vogel zu verlassen, der noch dazu nicht mit Flug- sondern Normalbenzin funktioniert. Ob das klappt? Noch bevor ich anfangen kann, mich zu fürchten, hat Theo auf Maximalgeschwindigkeit beschleunigt und hebt die Nase des Flugzeugs ganz sanft an.

Wir heben ab. Ganz leicht, ganz einfach, fast schon unspektakulär – wir schweben nahezu in den Himmel hinauf und ich fühle mich mit einem Mal ganz leicht. Wie ein Vogel steigen wir hinauf und ich kann mich gar nicht sattsehen an den ockerfarbenen Feldern, den gewundenen Flüssen und den bizarr anmutenden Bergen der Gegend. Es ist unglaublich schön, wir mäandern über die Region dahin. „Jetzt übernimm du die Kontrolle“, fordert mich Theo auf und ich kann es kaum glauben: Ich darf fliegen! Vorsichtig teste ich die Seitwärtsbewegungen mit und ohne Stick und Ruder aus, versuche, im Gleichgewicht zu bleiben – was gar nicht so einfach ist. Hier und da erfasst uns ein Windstoß und bringt unsere Samba etwas aus dem Gleichgewicht – und mich dazu. Meine Gegenbewegungen sind zu stark, diagnostiziert Theo und übernimmt wieder die Kontrolle.

Dann fliegt er tiefer: Eine Herde Wilderbeast, eine zottige, kleine Rinderart flüchtet vor uns und wirbelt eine gelbe Staubwolke auf. Wir steigen wieder, es geht zurück in Richtung Flugplatz.

Kurz vor dem Anflug auf den Flughafen fragt mich Theo: „Hast du die weißen Löwen schon mal gesehen?“ Ich verneine. Er fliegt eine Kurve und wir fliegen über eine Flusslandschaft. Am Ufer räkelt sich tatsächlich eine Herde weißer Löwen – ich bin begeistert! Laufen die hier wirklich frei rum? „Nein, das ist eine Zucht“, erklärt mir mein Fluglehrer, was mich etwas enttäuscht.

Kurz später setzen wir zur Landung an, die den schwierigsten Part am Fliegen darstellt. Wider Erwarten landen wir ganz sanft, ich spüre das Aufsetzen kaum. Etwas geschafft, aber von Glücksgefühlen durchströmt steige ich kurze Zeit später aus. Jetzt weiß ich, dass ich genau das wollte: Die Welt aus einer anderen Perspektive sehen, zunächst sechs Wochen lang.

Mehr Infos zu PPL finden Sie unter www.pilotenschule-suedafrika.de

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