24. Februar 2016

Frei wie ein Vogel: Solo im Flugzeug

 

Sieben Wochen ist es jetzt her, dass ich zum ersten Mal in einem Flugzeug saß, die Hände und Füße an den Steuerelementen hatte und mich gefreut habe wie ein kleines Kind, als der Vogel endlich abhob. Sieben Wochen, sieben schriftliche Prüfungen, eine Radiolizenz, rund 45 Flugstunden und einen Englischtest später sitze ich wieder mal im Flugzeug, aber diesmal hat sich einiges verändert:

Statt im kleinen Sportvogel Samba sitze ich nun in einer Cessna 172, Baujahr 1958. Doch die wichtigste Veränderung findet auf dem Platz neben mir statt: Rechts neben mir fehlen 104 Kilogramm Lebendgewicht. Nach der letzten Landung, die zugegebenermaßen ein wenig unsanft war, wollte mein Fluglehrer Joggi unbedingt aussteigen. Als er die Cessna verließ, drehte er sich mit einem Grinsen zu mir um: „So, und jetzt fliegst du eine Platzrunde alleine!“ Ich hatte es ja schon geahnt, irgendwann musste es ja kommen, aber jetzt kam es dann doch ein wenig plötzlich und mein Herz fängt an, wie ein gejagter Hase zu rennen. Ich soll… alleine? Ich muss ihn ziemlich komisch ansehen, denn er beugt sich kurz rüber und meint ganz lapidar: „Los, ich weiß, dass du es kannst!“ Na wenigstens einer. Die Tür knallt zu und weg ist er. Meine Hände schwitzen, mein Rücken ist klatschnass. Dann muss ich wohl den Stier bei den Hörnern packen! Ich bin hin- und hergerissen zwischen schierer Begeisterung und Panik. Die Check-Vorgänge sind so automatisiert, dass sie einfach wie von selbst ablaufen. „Taxi to intersection runway 29“, spreche ich in mein Headset, löse die Bremse und die Cessna hoppelt los.

Wie gelernt stoppe ich, bevor ich den Runway befahre. Vor dem Start folgen noch einige Minuten, in denen ich mit den Runup-Checks beschäftigt bin, die Steuerelemente und Instrumente kontrolliere. Dann gebe ich Bescheid, dass ich zum Abheben bereit bin und positioniere mich auf der Startbahn. Gas geben, Bremse lösen – ich zische über den Runway, erreiche 50 Meilen pro Stunde und ziehe die Nase der Cessna hoch – ich bin gestartet! Ganz alleine, niemand neben mir! Ich schaue nach rechts, kann kaum glauben, dass da keiner ist, der meine Bewegungen, meine Aktionen kontrolliert. Blick auf die Instrumente: Ich steige viel schneller als mit dem Instruktor, das Flugzeug ist ja auch viel leichter. Dann die Linkskurve, wie gelernt, danach habe ich ein wenig Zeit bis zu den nächsten Checks. Schnell zücke ich meine Digitalkamera und knipse mich, das muss festgehalten werden!

Schon ist es soweit, ich fliege eine weitere Linkskurve und befinde mich auf dem Base Leg, der letzten Gerade vor der Landung. Ich checke Bremsen, Enteisungsanlage und Flügelwinkel, behalte dabei meine Geschwindigkeit und die Höhe im Auge. Dann die letzte Linkskurve, ich befinde mich im Sinkflug. Jetzt sind alle Sinne auf die Landung gerichtet und ich konzentriere mich: Geschwindigkeit runter, langsam sinken, die richtige Höhe behalten, dabei auf Seitenwind reagieren. Ich gebe übers Headset Bescheid, dass ich gleich landen werde. „Sieht gut aus“, lobt mich mein Fluglehrer und ich glaube, er will mir Mut machen. Angestrengt versuche ich auf seine Ratschläge zu hören und blicke weit über die Nase der Cessna hinaus in Richtung Ende des Runways. Meine Geschwindigkeit ist perfekt, die Höhe schwindet wie geplant. Wenige Meter über dem Runway ziehe ich die Nase des Vogels heran und – lande! Setze zuerst mit dem rechten, dann dem linken und schließlich dem vorderen Rad auf und kann es kaum fassen: Gelandet. Alleine. Ohne Lehrer. Als ich aussteige, höre ich einen Korken knallen. Nassgeschwitzt steige ich aus und strahle offenbar wie ein Honigkuchenpferd. Und da ist noch jemand, der erleichtert aussieht – und stolz: Mein Fluglehrer Joggi. „Du hast den Rest des Tages frei – lass uns anstoßen!“

Endlich weiß ich, warum die Vögel singen – die dürfen schließlich den ganzen Tag fliegen.

 

Infos: www.aerocare.co.za

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