27. August 2019

Freche Früchtchen

Tropisches Obst ist vollgepackt mit Vitaminen und Sonne – und teilweise im Hotel verboten. Warum das so ist, liest du hier…

Rambutan: Lustiger Look, leckerer Inhalt!

Sieht alles ein wenig anders aus als bei uns: Obst kommt hier nicht lecker poliert und nett dargeboten daher, sondern bietet sich etwas ruppig, ungewohnt, dafür aber farbenfroh und kreativ an. Einige Obstsorten sind im Zimmer, im Flugzeug und der Bahn nicht erlaubt – und geschmacklich nichts für Anfänger, daher habe ich den unerschrockenen Vorkoster gemacht und mir die Vitaminhelden für dich näher angesehen. Hier meine Ergebnisse…

Wer noch nie in Asien war, wird die Gerüche hier vielleicht anfangs etwas komisch finden. Oft riecht es auch abfallartig mal nach Fisch, mal einfach nur nach Biomüll, aber man findet als Gegenpol an jeder Ecke farbenfrohe Früchte und unbekannte Essensangebote in allerlei Variationen. Knoblauchartig-süßlicher Geruch mit fauligem Unterton geht auf das Konto einer einzigen Frucht: Durian heißt sie. Beim übrigen Obst sieht es harmloser aus: Sind einige Sorten äußerlich nicht so hübsch anzusehen, überraschen sie meistens mit einem leckeren Innenleben. Hier muss man nur ein paar Dinge wissen und die wichtigsten Sorten erkennen, um lecker und vitamingeflutet durch den Tag zu floaten.

Im Hotel verboten sind Durian und Mangustin. Der Geruch der Durian geht nur schwer wieder weg – und die Frucht ist auch unter dem Zweitnamen „Stinkfrucht“ bekannt, es gibt daher hohe Geldstrafen bei Fund von Durian in deinem Zimmer. Bei Mangustin verhält es sich ähnlich: Die dicke, rote Schale ist beim Aufbrechen sehr bröselig und die roten Krümel machen Flecken, die nicht nur aus der Kleidung, sondern auch aus dem Hotelteppich etc. nicht mehr rausgehen. Daher hat auch dieses Früchtchen Zimmerverbot. Jetzt aber zum Geschmackstest…

König der Früchte: Durian

Fangen wir mit dem Härtegradmesser der asiatischen Obstesserei an: Die Durian-Frucht. Sie ist so groß wie ein Kinderball oder auch mal wie zwei Fußbälle, das kommt auf Herkunft und Sorte an. Die Frucht ist außen grün und hat faszinierende Stacheln sowie einen dicken Stängel. Das Malvengewächs hat innen weiße Kammern, in denen sich das gelbliche Fruchtfleisch mit den eingebetteten, dicken braunen Samen verbirgt. Die Frucht hat zwei bis fünf Fruchtabschnitte, die vom Verkäufer meist ausgepellt und abgepackt verkauft werden. Asiaten lieben den Geschmack; er ist jedoch etwas gewöhnungsbedürftig. Ein Kollege beschreibt ihn mit „tote Ratte mit dem Odeur von alten Socken“, ich sehe das aber ganz anders. Mir schmeckt die Frucht tatsächlich: Sie ist cremig, vollgepackt mit Vitaminen und Mineralstoffen sowie äußerst proteinreich. Der Geschmack ist zitrusartig, hat aber im Nachgang einen Ton von Knoblauch und Ingwer. Wenn du dich als Erstverkoster outest, lassen die meisten Verkäufer kostenlos probieren: Bloß nicht dumm sterben und unbedingt ausprobieren!!

Königin der Früchte: Mangustin

ACHTUNG: Durian sollte nicht zusammen mit Alkohol verzehrt werden, da das krampfartige Bauchschmerzen verursacht. Tödlich, wie oft behauptet wird, ist das jedoch nicht.

Fröhlich-pinkrot und mit grünen Haaren, etwa so groß wie eine kleine Zitrone kommt die Rambutan-Frucht daher: Sie wird gepellt und verzehrt wie eine Litschi. Die Haut ist etwas dicker als die einer Litschi, das Fruchtfleisch innen ist partitioniert. Super süßer, intensiver Geschmack, einfach toll! Die Kerne im Fruchtfleisch sind nicht essbar. Wenn die grünen Haare der Frucht welk und braun werden, fangen die Früchte meistens zu gammeln an. Zwei, drei Tage sind sie aber locker auch ungekühlt haltbar.

Longans sind gelblich-bräunlich und so groß wie eine große Murmel. Sie sehen erstmal nicht so appetitlich auch, sind aber super lecker. Vom Geschmack ähnlich wie Litschi oder Rambutan, aber etwas süßer. Unbedingt probieren, schmeckt sehr fein!

Sie sieht aus wie eine Mischung aus Apfel und Birne – und schmeckt überraschenderweise auch ähnlich: Guave ist nicht sehr süß und hat ein festes, knackiges Fruchtfleisch. Die Schale würde ich im gewaschenen Zustand mitessen, ansonsten mit dem Messer abschälen. Eine erfrischende Frucht, die gerne als Saft angeboten wird. Achtung: In den Saft im Straßenverkauf wird gerne großzügig Zucker reingekippt, vorher nachfragen!

Knackig wie ein Apfel, geschmacklich eine Mischung aus Birne und Apfel: Guave

Ein echtes optisches Highlight ist die Drachenfrucht. Für europäische Geschmacksnerven uneingeschränkt zumutbar ist die weiße Variante: Beim Verkäufer nach der Farbe fragen! Die Frucht sieht in der weißen und in der riten Fruchtfleisch-Variante von außen nämlich absolut identisch aus: Pink und faustgroß, mit Schuppen dran, deren Spitzen zart grün gefärbt sind. Man schneidet die Frucht der Länge nach auf und löffelt oder schält sie aus der dicken Schale heraus. Das Fruchtfleisch sieht aus wie Stracciatelle: Weiß oder pink mit schwarzen Samensprenkeln darin, die man mitisst. Der Geschmack ist schwach ausgeprägt, süßlich und erinnert leicht an Melone mit einem Hauch von Zitrus. Die roten Früchte sind intensiver im Geschmack, haben aber einen seifigen Unterton, den man erstmal kennenlernen muss. Mir schmeckt’s, aber ich mag ja auch die Durian, deswegen kann ich nur den Selbstversuch empfehlen.

Minibananen schmecken toll: Aromatischer und intensiver als die große Schwester aus dem deutschen Biomarkt, dafür geballt voll mit Vitaminen. Einfach lecker, nicht verpassen!

Kokosnüsse sind super. Wer sich viel draußen aufhält, merkt schnell, dass die Frucht einen kühlenden Effekt hat. Die Nüsse werden am Straßenrand genau wie im Restaurant angeboten, gekühlt oder normal temperiert. Die Frucht wird frisch mit der Machete aufgeschlagen und mit Strohhalm (hoffentlich dem aus Papier!) serviert. Nach dem Austrinken kann man mit einem Löffel das leckere Kokosfleisch aus der Frucht kratzen: Yummie! Ich hole mir die Kokosnuss gerne zusammen mit ein paar Früchten zum Lunch: Mehr braucht man bei der Hitze eigentlich nicht…

Schlangenfrüchte sind braun und sehen aus wie der große Bruder der Rambutan. Sie sind etwas größer, haben eine ledrige Schale und sind zu pellen wie eine Litschi. Das Fruchtfleisch ist jedoch wesentlich faseriger als das der übrigen Früchte und auch etwas herber. Die Kerne werden auch hier nicht mitgegessen. Diese Frucht ist nicht mein Favorit, was aber mehr an der Textur als dem Geschmack liegt.

Mango, Papaya, Ananas und Melone gibt es in Asien auch; hierzu brauche ich glaube ich nichts zu sagen. Und jetzt: Guten Appetit, viel Spaß beim Vitamin-Loading in Asien!

Nochmal im Überblick zusammengefasst:

  • Durian: König der Früchte, Stinkfrucht. So groß wie ein Volleyball, innen gelbliches Fleisch mit den Samen in der Mitte. Gibt es frisch, fertig gepellt und mundgerecht verpackt zur richtigen Saison (August ist super!) am Straßenrand zu kaufen.
  • Rambutan: Rot mit grünen Haaren, etwa zwei bis drei Zentimeter Durchmesser. Ähnlich wie Litschis vom Geschmack und genauso zu essen. Einfach die dicke Schale einen Zentimeter lang einritzen, aufpellen, das Innere essen. Achtung, Kern in der Mitte, nicht mitessen, macht Bauchweh!
  • Guave: Grüne Frucht, die aussieht wie eine Mischung aus Apfel und Birne. Ist auch wie ein Apfel zu essen: Oben und unten Stiel und Ende abschneiden, in Scheiben schneiden und essen. Hat einen nussig-herben Geschmack, nicht so süß.
  • Drachenfrucht: So groß wie eineinhalb Orangen. Außen pink, mit drachenartigen Schuppen, die an den Spitzen grün sind. Innen weißes oder rotes Fleisch mit schwarzen Samen drin, die stracciatellaartig aussehen und sich im Fruchtfleisch verteilen. Wenig Eigengeschmack, hoher Wassergehalt, mild. Weiße Früchte sind etwas süßer, die roten Früchte haben einen eigenen, etwas seifenartigen Geschmack. Achtung: Die roten Früchte nicht auf die Kleidung kleckern, geht schwer raus! Falls es passiert, sofort kalt auswaschen.
  • Mangustin: Mandarinengroße, rote bis braune Früchte. Dicke Schale, innen ist das weiße Fruchtfleisch, das wie Knoblauchzehen angeordnet ist. Innen haben manchen Fruchtzehen einen Kern, den man nicht mitessen kann.
  • Longan: So groß wie ein 2-Euro-Stück, gelb und wird immer als Bündel am Strauch verkauft. Schmeckt ähnlich wie Litschi und ist auch so zu essen. Dünne Schale einfach wegpellen; in der Mitte des süßen, weißen Fruchtfleischs steckt ein Kern, den man nicht mitessen kann.
  • Minibananen: Super leckere, geschmacksintensive Variante der Banane, unbedingt probieren!
  • Kokosnuss: Trinken und auslöffeln.
  • Schlangenfrucht: Braune, ledrige Schale, wie Litschi zu pellen. Faseriges Fruchtfleisch mit nicht essbarem Kern.

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