20. Januar 2016

Die heißesten NY Fitness-Trends, Teil 2. Fit über Mittag mit „Lunch Box“

Die Fitness-Anlage „Chelsea Piers“ in New York ist riesig. So riesig, dass es nicht nur einen, sondern gleich zwei Boxringe gibt. In einem davon findet dreimal wöchentlich zur Mittagszeit ein einstündiger Kurs mit dem bezeichnenden Namen „Lunch Box“ statt. In einer Stunde sollen büromüde Großstädter mit einem intensiven Boxtrainingsprogramm auf Figurkurs gebracht werden, ordentlich Fett verheizen und ihren Body shapen.

Das muss ich mir näher ansehen! Punkt 12 Uhr erscheine ich also am Boxring, mit mir 8 andere Fitness-Freaks, die sichtlich abgehetzt aus dem Büro oder einem Meeting kommen müssen. Der Trainer ist auch schon da: Er heißt Jimmy, Afroamerikaner, misst locker einen Meter neunzig und hat so viele Muskeln, dass ich mich ernsthaft frage, wie er die anmutig und locker-boxend bewegen will. Jimmy sieht zum Fürchten aus und hat eine grimmige Gangster-Miene aufgesetzt, die er durch einen harschen Drill-Ton unterstreicht. „Seilspringen, 3 Minuten!“ befiehlt er und jeder greift sich ein Seil. Wir müssen uns im Kreis aufstellen und hüpfen, bis der Schweiß in Strömen fließt. Jimmy konsultiert jeden Teilnehmer einzeln und heizt uns ein „Schneller, Nina! Das sieht noch nicht anstrengend genug aus!“ Ich wusste nicht, dass man in drei Minuten einen gefühlten Liter Schweiß verlieren kann, aber gut. Weiter geht’s mit Intervalltraining: Jeweils zwei Personen müssen mit Pratzen, am Boxsack, im Ring oder mit Jimmy trainieren. Ich kriege Jimmy ab: Er befiehlt mir, mich auf den Rücken zu legen, worauf ich harmlose Stretching-Übungen erwarte. Er packt jedoch meine Füße, klemmt sie zwischen Hüfte und Unterarmen ein und befiehlt: „Komm hoch!“ Ich hänge kopfüber wie eine Fledermaus und kapiere nicht gleich: Wie, bitteschön, soll ich da rauskommen? Soll das Selbstverteidigung im ungleichen Wettbewerb werden? „Bauchtraining, auf geht’s!“ Ah, ich verstehe, ich soll meinen Oberkörper anheben und Bergab-Situps machen. Nach zehn Wiederholungen reicht es mir und ich verharre in der Kopf-unten-Position. Batman-like will ich pausieren, als Jimmy mich anherrscht: „Weiter! Pause machen kannst du später!“ Ich mobilisiere meine Kraftreserven und lifte mich weitere 15 Wiederholungen lang nach oben. Dann lässt mich Jimmy endlich wieder los und ich kann verschnaufen. Denkste! „Ab an den Boxsack!“ Jimmy scheucht mich an den nächsten Boxsack und ich muss riesige Handschuhe anziehen, mit denen ich aussehe wie eine Comicfigur auf Verbrecherjagd. Dann muss ich punchen, kicken, drauflosdreschen. Ich gebe alles und bin wie von Sinnen. Alles muss raus, Nina schlägt zurück! Nach drei Minuten Rocky-Feeling geht mir langsam die Puste aus. Gut, dass das Intervall vorüber ist – doch jetzt wird’s ernst. Rocky-Nina muss in den Ring steigen. Ich schlucke. Jimmys Gehilfe ist dick in Protektoren eingepackt und hält mir die Pratzen zum Drauflosschlagen hin. Schon wieder! Ich setze zur zweiten Runde „hart und gnadenlos“ an und verdresche das Michelin-Männchen, versuche es zumindest. Der Verpackte macht es mir nicht einfach, hält die Pratzen immer wieder an andere Stellen und ich muss mich ganz ordentlich konzentrieren, um nicht den Faden zu verlieren.

Nach diesem Intervall muss ich erstmal einen halben Liter Wasser trinken, dann geht’s weiter mit Kräftigungsübungen. Zum Einstieg darf ich erstmal 30 Liegestütze absolvieren, nach den 22. Wiederholung kniet Jimmy neben mir und brüllt mich an „Weiter runter! Das kannst du besser!“ Ich beuge meine Ellbogen, so gut ich noch kann, und hoffe, dass es bald vorbei ist. Nur keine Blöße zeigen! Dann, endlich, Wiederholung Nummer 30 – geschafft! Ich setze mich auf und sehe, dass Jimmy bis über beide Ohren grinst. Ja, der Frau Fitness-Expertin hat er’s ganz schön gezeigt! Ich hasse ihn kurz und grinse zurück. 11Es folgen noch ein paar wirklich anstrengende Bauchübungen, dann ein Mini-Stretching – und schon ist die Stunde rum. Ich bin fix und fertig. So sehr musste ich mich schon lange nicht mehr beim Sport anstrengen! Dennoch: Das Training hat mich begeistert, von alleine würde man nie so sehr an seine Grenzen gehen – unbedingt ausprobieren, wenn sich die Gelegenheit bietet!

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