6. Januar 2016

Die heißesten NY Fitness-Trends, Teil 1. Tanzen in Trance: NIA-Dance

nina dance

 

Als ich mich auf den Weg zu den Chelsea Piers mache, bin ich überrascht: In dieser Riesenstadt gibt es Plätze, die nicht ordentlich an’s U-Bahn-System angebunden sind! Und darauf folgt gleich die nächste Überraschung: Die Chelsea Piers sind so großflächig, dass ich mich auf dem Weg zum Fitness-Center glatt verlaufe. Zwischen Restaurant und Golfplatz, neben der Turnhalle für Akrobatik, finde ich es letzten Endes dann doch. So etwas habe ich wirklich noch nie gesehen; das Studio ist eine riesige Halle direkt am Hudson River. Eingerahmt werden sämtliche Räumlichkeiten von einer 800-Meter-Laufbahn, die man nur in eine Richtung betreten darf.

Aber von vorne: Ich melde mich an der Rezeption an und bekomme einen Spind zugewiesen. Bei der Inspektion des Studios stelle ich fest, dass man in Amerika offenbar wesentlich weniger Wert auf Sauna und Nassbereich legt als bei uns in Deutschland; alles ist wesentlich knapper kalkuliert und eher praktisch als genießerisch ausgelegt. Dafür sind die Nutzflächen extrem großzügig und üppig mit neuesten Geräten bestückt.

Heute bin ich in den Chelsea Piers, um verschiedene Trends im Kursbereich zu testen, selber daran teilzunehmen und darüber zu berichten. Meine erste Stunde heißt NIA Dance. Der Kurs wird beschrieben als neuartige Methode, mit sanften Tanzbewegungen Körper, Geist und Seele auf Trab zu bringen. Die Bewegungen werden vorgegeben, lassen allerdings viel Interpretationsspielraum und sollen die Kreativität der Teilnehmer fördern. Den Kurs NIA selbst gibt es schon seit etlichen Jahren, aber diese Weiterentwicklung in den Tanzbereich hört sich vielversprechend an.

Als ich den Kursraum betrete, bin ich erstaunt. Rund 30 Frauen zwischen 50 und 70 haben sich hier eingefunden, Sportschuhe sind offenbar überflüssig und Jane-Fonda-Outfits erwünscht. Irgendwie habe ich eine ungute Vorahnung, was diesen Kurs betrifft, will der Sache aber positiv entgegensehen. Ich krame noch schnell ein Frottee-Stirnband aus den Tiefen meiner guten, alten Sporttasche und falle fast hinten über, als die Trainerin den Raum betritt.

Sie muss direkt mit der ABBA-Sängerin verwandt sein und jahrelang in einem Zirkus gearbeitet haben. So ein schrilles Outfit ist mir in den letzten zehn Jahren im Group-Fitness-Bereich nicht über den Weg gelaufen. Gelber Neon-String über schwarz-weißen Proll-Leggings, dazu ein blassblaues indisches Hemdchen, das mit Pailletten bestickt ist. An den Fußgelenken der Dame jenseits der 70 klimpern Fußkettchen, die reichlich überdimensioniert wirken. Egal, welche Kräuter diese Frau morgens zu sich nimmt, sie sollte lieber nur die Hälfte davon nehmen, denke ich mir noch, dann schaltet sie die Musikanlage ein.

Im ersten Moment kann ich nicht glauben, was ich höre – und ich bin wirklich einiges gewohnt. Weder billiger Elektro noch Scooter können mich im Aerobic-Kursraum noch schocken.

Aber „One Moment in time“ als Warm-up, dazu hysterisch-lächerlich wirkende, dramatische Armbewegungen – ich bin fertig mit den Nerven, das kann ich leider nicht. Ich schlucke mein hysterisches Lachen herunter und dann mache ich etwas, was ich bisher noch nicht ein einziges Mal in meiner Group-Fitness-Karriere getan habe: Ich verlasse nach Kursbeginn den Raum.

Nach etwa zwanzig Minuten siegt die Neugier über die Enttäuschung und ich linse noch mal in den Kursraum hinein: Die rund 30 Teilnehmerinnen nebst Instruktorin wiegen, winden, drehen sich in unfreiwillig komisch wirkenden Bewegungen durch den Raum und offenbar ist gerade Freestyle angesagt, denn von einer Gruppe, die einer Trainerin folgt, kann nicht die Rede sein. Wenn man das filmen und jemandem vorspielen würde – es könnte sich hier genauso gut um die Reha-Gruppe für intensiv verhaltensgestörte Persönlichkeiten handeln. Die Damen im Raum scheinen jedoch großen Spaß an der Bewegung zu haben und ich resümmiere für mich einmal mehr, dass Kursarten eben genauso wie Sportarten ganz einfach zu Vorlieben und Persönlichkeit passen müssen. NIA und ich werden also keine Freunde, aber das macht ja nichts. Mal sehen, was der nächste Kurs im Land der unbegrenzten Möglichkeiten für Überraschungen bereit hält…

 

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