8. September 2011

Kerala-Feeling statt Kühlschrank-Kälte: Bikram Yoga. Ein Selbstversuch

Fatburning pur, Umfang verlieren, super Muckis aufbauen und Saunaeffekte in einem, das nennt sich dann also Bikram-Yoga. Ein vollmundiges Versprechen und als Expertin bin ich argwöhnisch, das scheint mir dick aufgetragen. Das muss ich selber ausprobieren. Kurze Hose, knappes Top, zwei große Handtücher und eineinhalb Liter Wasser: Derart bewaffnet wage ich mich zum “Yoga in der Sauna”-Experiment.

Meine Albträume von behaarten Männern, die halbnackt ihren ungefilterten Körpergeruch in muffigen, bazillenverkeimten Teppichboden austranspirieren, lasse ich schön daheim. Das Studio ist Gott sei Dank dann auch super modern und hygienisch einwandfrei, von Teppich, Karies, Baktus und allen ihren Geschwistern keine Spur, und nach dem unkomplizierten Check-In ins Mini-Kerala von München lasse ich mitten im tiefsten Winter die Hüllen fallen und tappe knapp bekleidet zum Experiment. Neun Heizkörper und drei massive Heizstrahler begrillen den Raum auf smarte 38°C und dazu gibt’s Luftbefeuchter, die die Tropen das Staunen lehren würden. Noch ist die Wärme angenehm und ich liege schläfrig auf der Matte, als ein Gong ertönt: Los geht’s! Etwas verdutzt ob der nicht vorhandenen Sonnengrüße legen wir mit den ersten der 26 knackigen Übungen los und nach ca. 60 Minuten Standübungen verlässt mich mein Kreislauf und ich kriege Schnappatmung und Vorhofflimmern. Mehr Himmel, weniger Hölle, bitte! Pause, hinsetzen. Wo war gleich der Defibrillator nochmal? Nachdem mein Kreislauf wieder mitspielt, weiter im Text und hoch mit dem nächsten Bikram-Situp, na also, geht doch. Nach 60 Minuten geht es auf dem Boden weiter und nebst Old-school-Klappmessern wechseln sich die Übungen mit Posen in Bauch- und Rückenlage ab, was eigentlich ganz angenehm ist. Nur beim “Kamel” verabschiedet sich mein Kreislauf nochmal “ganz normal”, meint die Lehrerin ung ich finde mich in Rückenlage in der Totenhaltung Savasana wieder. Nach insgesamt 90 Minuten ist der Spaß vorbei, es wurde keine einzige Hand angelegt, Korrekturen immer nur mündlich angesagt, außer jemand macht einen groben Fehler. Die Lehrerin verlässt dann auch mit einem zackigen “Namasté” sogleich als Erste den Raum; spirituelle Lehren oder Chanten wird man hier vergeblich suchen.

Nach dem zweiten und dritten Mal geht alles schon wesentlich geschmeidiger und mit weitaus weniger Kreislauftheater ab und ich muss sagen, die Effekte sind nach wenigen Tagen schon toll, was Beweglichkeit, Bodyshaping und Kraftaufbau betrifft. Bin allerdings auch kein Anfänger und deswegen vielleicht nicht repräsentativ.

Fazit: Bikram ist die Leichtathletik des Yoga, definitv Geschmackssache und dank der Drillausbildung der Lehrer in zertifizierte Studios immer, immer gleich. Immer dieselben Übungen, immer zwei Sets davon. Höllisch anstrengend, aber himmlisch einfach ;-)

Mein Tipp für die Münchner unter euch: Bikram-Studio in der Leonrodstraße 6 antesten, es gibt ein super Angebot für Neueinsteiger, 10 Tage für € 10! Die meisten Studios bieten sowas in der Art an, gibt’s aber leider nur in Großstädten bisher…

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